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    Männer und Gefühle

    Von Gast | 1.November 2011

    Männer und Gefühle

    Heute möchte ich einmal eine männliche Stimme zu Wort kommen lassen. Da ich mich als Frau ja immer nur theoretisch über das männliche Verhalten äußern kann. Hier die Erfahrungen eines Mannes, der schon viele Jahre mit mir arbeitet.

    Michael, 55 Jahre
    Der Artikel „Gefühle leben“ hat mich veranlasst zu prüfen, wie es mir mit Gefühlen geht bzw. ging. Ich habe auch überlegt ob ich tatsächlich auch wie die meisten Männer sprachlos bin.
    Dazu fiel mir zunächst ein, dass meine erwachsenen Töchter mich oft darauf aufmerksam machen, dass ich in bestimmten Momenten nichts sage.

    Da ich allerdings ein Typ bin, der oft eher zu viel sagt, habe ich mich gefragt: Wann sage ich nichts? Dazu ist mir Folgendes eingefallen: Wenn ich mich auf meine weiche Seite einlasse, also auf meine Gefühle achte, meine Emotionen beachte, bin ich unsicher, fehlen mir Worte, bin ich am Ausweichen, Weggehen, mich Ablenken.

    Dann habe ich mich erinnert: Als Junge hatte ich das Problem, dass mir schnell die Tränen kamen und ich dann als Heulsuse betrachtet wurde, auch wenn es nicht wehleidig war sondern meist dann auftrat, wenn ich nichts gegen starke Emotion tun konnte, ausgelöst z. B. durch den Schmerz, den andere durch den Tod einer Person bei der Beerdigung zum Ausdruck brachten. Es konnte beim Lachen passieren, beim Glücklichsein oder durch die Berührung einer Tante, die mir das Gefühl von Nähe und angenommen sein gab.
    Ich konnte nichts gegen die Tränen machen. Aber ich hätte sie gerne unterdrückt, weil ich nicht wollte, dass andere mich so sehen und damit erkennen wie ich mich fühle. Heute bin ich über 50 Jahre alt und es ist wenig anders.

    Als Junge bin ich immer, wenn es mir in Gegenwart anderer so ging wortlos aus dem Zimmer gegangen und kam erst wieder zurück, wenn ich meine Emotionen im Griff hatte. Gesprochen habe ich auch nicht, damit meine Stimme mich nicht verraten konnte. So gewöhnte ich mir an, Themen, bei denen ich das Auftreten unkontrollierbarer Emotionen vermutete, nicht anzusprechen und damit jene Worte, die Gefühle ausdrücken, aus meinem Wortschatz zu streichen. So vergaß ich sie irgendwann ganz.

    Als junger Mann erlebte ich dann, wenn ein/e Mädchen/Frau in mir Emotionen/Erregung auslöste, dass ich nicht wusste, wie ich mit ihr umgehen und mit ihr sprechen sollte – obwohl mir der Gesprächsstoff sonst nie ausging und ich als Unterhalter beliebt war.

    Erst mit über 40 Jahren wurde mir bewusst, dass ich Frauen/Mädchen damit verletzt habe, dass ich mich aus Unsicherheit von ihnen zurückzog, sobald ich spürte, dass zwischen uns Emotionen entstanden sind, die Ausdruck verlangt hätten. Ich hatte damals keine Ahnung, warum diese Emotionen auftraten und was sie mir sagen wollten. Ich merkte nur, dass ich sie nicht kontrollieren, nicht in eine Regel einordnen konnte. Ich hatte Angst, ausgelacht zu werden, wenn ich sagen würde, wie ich mich fühle. Ich hatte Angst, als schwach, unmännlich und weibisch zu gelten.
    Ich wollte mich Frauen, die mir gefielen und bei denen ich Emotionen spürte, nicht nähern, weil ich wusste, dass ich sie enttäuschen würde. Ich dachte sie interessieren mich nur sexuell, aber nicht für eine Beziehung. Und ich wusste, wenn sie nach eventuellem Sex Nähe oder eine Beziehung mit mir wollen würden, müsste ich sie enttäuschen. Nämlich dann, wenn ich keine Nähe oder Beziehung hätte haben wollen und ich darüber nie hätte sprechen können und wortlos meines Weges gegangen wäre. Ich erwartete, dass diese Frau dann sehr enttäuscht wäre und mir eine emotionale Szene machen würde, in der ich nicht wüsste, was ich tun oder sagen sollte. Diese Vorstellung war mir so unangenehm, dass ich lieber auf die Möglichkeit verzichtete, Sex zu haben.

    Von anderen Männern habe ich immer wieder gehört, wie sie sich über solche Situationen abfällig äußerten. Zum Beispiel, dass Frauen eine Szene machen: Unmöglich, was will die denn?

    Ich werde sprachlos, wenn ich nicht weiß, was ich tun oder antworten soll. Ich sage dann lieber nichts, um nichts Falsches zu sagen. Ich gehe lieber weg, um mich nicht unangenehmen Gefühlsauseinandersetzungen stellen zu müssen. Denn in diesen Dingen kenne ich mich nicht gut aus, fühle mich unterlegen und bin ungeschützt und unsicher.

    Meine Gefühle kann ich besser in Gesten ausdrücken, in Berührungen, in praktischen Taten. Worte sind für mich ein Versprechen, das ich vielleicht nicht halten kann. Worte sind für mich verbindlich. Ich will aber vielleicht lieber ungebunden sein. Ich will nicht sagen „Ich liebe dich“, wenn ich nicht weiß, ob es morgen auch noch gilt. Aussagen, die Gefühle ansprechen, empfand ich stets als riskant, da ich unsicher war. Denn ich wusste, so wie ich mich heute gefühlt habe, konnte ich mich vielleicht schon morgen nicht mehr fühlen. Und ich konnte doch nicht etwas sagen, von dem ich nicht sicher war, ob es immer stimmt.

    Heute würde ich das gern anders machen. Ich möchte jetzt aussprechen, was ich fühle, denn ich habe keine Angst mehr vor den Emotionen. Aber ich stelle dann oft fest, dass ich das nicht gelernt habe, die Worte mir dazu nicht einfallen. Ich muss deshalb erst meine Sprache hierfür wiederfinden.

    Vielleicht gibt es ja noch mehr männliche Stimmen, die sich zu „Männer und Gefühle“ äußern wollen. Ich würde mich sehr freuen.

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